Na, das war mal schön gestippt.

Eine Fahrt quer durch Niedersachsen, Ankunft in einer entzückenden Ferienwohnung bei schönstem Wetter. Lesen auf dem Balkon, Spaziergang mit Tochter unter Milan zwischen lauter Schmetterlingen, Anna begrüßen, noch ein Spaziergang, zusammen zu Luisas Lesung gehen, danach noch in der Küche Chips essen und über Bücher reden. Am nächsten Tag der Workshop. Wetterglück. Und heute noch eine entspannt getingelte Rückfahrt.

Stippvisite

Kommt von Einstippen. Einstippen in Getränke mag ich gar nicht. In Suppe meinetwegen. Und nun stippe ich mich dieses Jahr dauernd irgendwo ein. Ich packe nie ganz aus und bin nie richtig weg. Morgen geht es für 3 Tage ins Wendland. Und dann werde ich mir die Routen, die Flüge und das Wetter ansehen und mir noch eine Meinzeit aussuchen. Ich merke, dass ein Teil von mir immer noch auf der Terrasse in Oggebbio sitzt, vom ersten Kaffee bis zum Fledermausbeobachten in der ersten Dunkelheit. Warme Fliesen unter mir, warme Luft um mich. Bin ich vielleicht doch zu weit in den Norden gezogen? (Andererseits könnte ich mir auch Kanada, die Tundra, die Schären, Schottland vorstellen. Vorstellen war noch nie mein Problem.)

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Katzen helfen mir, das IST zu lieben. Mark Easterbrook ist eins dieser Helferwesen.

Bahn.

Die Bahn hat beim Untertunneln eines Tunnels einen Riesenschaden an- und die Nord- Südverbindung hingerichtet. Mein Vater kommt heute zurück und muss (danke!) zum Glück nicht in das Gewühl des Schienenersatzverkehrs sondern wird bis Karlsruhe gebracht. Durchfahren kann er trotzdem nicht, hat in Köln aber viel Zeit zum Umsteigen.

Wir sind also bahnmäßig vom Süden abgeschnitten. Zum Glück ist das Wohnmobil betriebsbereit und kann als Alternative genommen werden. Ich bin es jetzt zum ersten Mal gefahren und bin begeistert. Gar nicht so lastwagig wie ich angenommen hatte.

 

Orte.

Die Bindung ist da zum Ort, in dem ich aufgewachsen bin. Nach der „sentimental journey“ letztes Jahr bin ich in den letzten Tagen einfach meinem Wohlgefühl nachgegangen und -gefahren und bin an den Stellen gelandet, wo ich mit meiner Mutter gewandert bin, zur Schule lief, barfuß ging, … Ich habe die Plätze besucht, nicht die Menschen. Es war Erden, Ausruhen, Gehen – stundenlang alleine im Wald, über mir ein Schwarzstorch, es riecht nach Pilzen, ich denke nicht, das leise Knirschen meiner Wanderschuhe auf dem Weg ist das einzige Geräusch. Manchmal fühlt es sich an, als ginge mein jetziges und mein damaliges Ich hier entlang. Keine Auszeit, eine Inzeit. In mir, im Wald, in Erinnerungen, im Sauerland.

 

versetzte Ferienzeiten

Sicherlich gibt es Gründe dafür, nicht das ganze Land zur selben Zeit Sommerferien machen zu lassen (wobei, in Frankreich geht das auch ganz gut), es hat allerdings auch Nachteile. Wir können uns mit FreundInnen aus anderen Bundesländern nicht in den Sommerferien treffen (oder nur ganz kurz) und es ist ein blödes Gefühl, noch wochenlang keine Ferien zu haben, wenn die anderen schon in der Sonne liegen oder schon wieder Alltag zu haben, wenn die anderen erst in die Ferien starten. Früher (das fiel mir gerade ein, als ich die wunderbare Eis-Szene in Rico, Oskar und die Tieferschatten (im Buch ist sie erst im „Herzgebreche“) gesehen habe) waren die Unterschiede in den Ferienzeiten nicht so groß, denn ich konnte als Kind in den Sommerferien nie soviel Erdbeermilch trinken wie ich wollte: Ich verbrachte meine Ferien in Ettenheim (BaWü) und dort gab es im damals einzigen Eiscafé Erdbeermilch nur während der Schulzeit. Dafür hatte der Eiswagen am Baggersee schon Ende der 70er so tolle Sorten wie Orange und Melone. Und unser Golf hatte schwarze Kunstledersitze und man konnte sich nach einem Tag am See (und Auto in der Sonne) nur mit untergelegtem Handtuch setzen.

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Ich säße gerne noch dort, lesend, schreibend, zeichnend, genießend. Als Nächstes probiere in einen Sauerländer Seeblick aus. 

Ja, Ferien.

Es war herausfordernd, ein Wagnis, schön, duftend, voll Lektüre und Schreibzeug, Insekten, Fledermäuse, Nostalgie und Neuland. Am besten gefallen haben mir die Stunden mit der blühenden Minze, wenn ich die Stille um meine Lektüre ( an jeder Ecke liefen mir unerwartete Bücher zu) mit der großen Hornisse und den vielen Bienen und Ameisen teilte, die Abende, an denen wir den Fledermäusen zusahen, die Zeit in Ettenheim (wir wurden verwöhnt mit guten Gesprächen, Essen und Trinken) und die Mischung aus Nostalgie und Neuland. Der Rückweg war wegen Sturzregen einfach anstrengend, ich fädele mich zuhause erst wieder ein, erzählend, redend, zuhörend und umarmend, dabei halte ich meine bunte Katze im Arm, die ich so vermisst hatte.