Mal wieder

Valentinstag

Mein Großonkel Bruno hatte an diesem Tag Geburtstag. Er war ein kleiner Mann mit dem Gemüt eines fröhlichen Kindes, der zweite Mann meiner geliebten Tante Herta, der Zwillingsschwester meiner Oma väterlicherseits. Als ich ein Kind war, in den ersten Sauerländer Jahren, hatte ich mal meine Indianerperücke in seinem Bett versteckt, er liebte das gegenseitige Streiche Spielen. Nachdem er sich also für die Nacht verabschiedet hatte, ging eine Weile danach leise, leise die Tür auf und hinein kam diese kleine ostpreußische Mannchen im gestreiften Pyjama mit der schwarzen, langbezopften Perücke auf dem Kopf. Ich war schon im Bett gewesen und stand wieder auf, weil meine Mutter so lachte.

Schade, ich hab kein Foto davon.

 

den einen

Du kannst doch nicht alle retten. Nein, den einen kann ich aber schon auf ein geeignetes (nicht etwa tiefergelegenes) Wiesenstück setzen. (Und die 38 anderen, die sich vor dem Regen in die Einfahrt geflüchtet hatten und nun vertrocknet wären.) Auf allen Wiesen außerhalb der Bebauung sitzen Möwen mit diesem schlau-hungrigen Gesichtsausdruck und warten auf weitere Würmer, die sich hervorwagen müssen. Sollte es nicht regnen, trappeln sie mit den Füßen; Möwenlist. Was für ein Würmerleben.

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Besserung

Jane geht es seit der zweiten Tablette des Antiepileptikums besser. Ab und zu kippt sie noch um aber sie zuckt nicht mehr, sie putzt sich ausgiebig, eben putzte sie sogar einen Kater. Hoffnung.

Ansonsten beschäftigt mich das Thema Internet. Soviel Unruhe, Ausspionieren, Ausplaudern und mit Lust Schaden Anrichten wie ich in der letzten Zeit auf diversen Plattformen beobachte – wiegt das die Fülle an Information, Ausdrucksmöglichkeiten und praktischer Kommunikation auf? Früher kam zweimal am Tag die Post – und (wenn ich in Jenny Treibel nachlese, konnte man morgens einen Brief schicken, der war dann nachmittags da) so könnte eine ja auch brieflich gut vernetzt sein und bleiben…

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Chansons

Ich entdecke gerade die chansons von Georges Brassens wieder (und kann sie noch alle auswendig). Was war das für ein Entzücken, zuhause mit dem Kater (Zorro, dürr, schwarz) auf dem Teppich hinter den Sesseln zu liegen und, die Platte ein Mal nach dem anderen anzuhören, endlich die französischen Texte zu verstehen. Später wurde das Entzücken vergrößert, als ich die wunderbaren Übertragungen von Degenhardt entdeckte. Da war Zorro schon tot. Und dann zieht eine Erinnerung die andere nach sich, so geht das. Ein Lied das andere, eine Katze die andere – der Kater, der bei einem Schneesturm in mein Zimmer kam und auf meinem Kissen schlief, und die Vermieter warfen ihn am nächsten Tag raus und er wurde überfahren. Heute ließe ich ihn nicht mehr gehen…

Was noch? Ich habe einen Waschkorb voll Bücher in den offenen Bücherschrank getragen (und eine Einkaufstasche voll Bücher mit rausgenommen) und das ganze Dings wieder aufgeräumt. Komische Angewohnheit, ich glaube, ich muss akzeptieren, dass ich ordentlicher, pünktlicher und strukturierter bin als ich lange glaubte, allerdings bin ich das nicht nach den üblichen Maßstäben und muss manchmal erst darauf aufmerksam gemacht werden.

Und ich hatte einen guten Tag, ich habe genug geschlafen, viel mit sehr angenehmen Menschen KOREspondiert und sitze nun zwischen Hund und Katze bei chansons. Fein.

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Nichts Neues

bei Jane. Alle Untersuchungen ergebnislos, sie zuckt trotzdem. Natürlich läuft das ganz normale Leben weiter (auch sie ist ja zwischen den Anfällen völlig normal, wach, hungrig, neugierig, liebevoll wie immer) und wir schleichen auch nicht bedrückt durch die Gegend, ein großer Teil der Aufmerksamkeit ist jedoch bei ihr. Und wir üben uns in Behutsamkeit, die leider oft nichts nützt. Was ich merke, ist, das kenne ich schon von mir, dass solche Situationen meine Lust und Fähigkeit zu Smalltalk noch mehr verringern.

Außerdem warte ich ganz gierig auf Schneeglöckchen, Winterling und Krokusse, in Oldenburg, im Park gegenüber der Tierklinik, waren sie schon draußen, unser Vorgarten bummelt noch.

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Wenn die Katze krank ist.

Alle bewegen sich vorsichtig und machen möglichst wenig Wind und Wirbel, denn Jane ist krank. Sie hat seltsame, neurologische Ausfälle/Anfälle, nach dem großen Check in der Tierklinik warten wir nun noch auf die Ergebnisse der Liquoruntersuchung. Mein Seelenkätzchen. Ich passe auf dich auf, ich achte auf dich, ich werde so gut ich kann tun, was am besten für dich ist.

2014-06-24 07.59.08

 

Mein Vater, das Friesensofa und ich.

Manchmal gibt es so kleine Momente. Nischen. Da sitze ich bei meinem Vater auf dem Sofa und wir unterhalten uns über ganz banale Dinge, Zahnarzt und Zeitungen, seinen Plan, morgen oder übermorgen einen Drucker zu kaufen, um wieder über die Flucht zu schreiben (ok, vergesst das „banal“ ;)), Familie, Freunde, Sprachen, die Kinder (natürlich), unsere geplanten Reisen (er Kreuzfahrt (Containerschiff darf er nicht mehr, die haben Altersgrenzen), ich Rucksack) und auf einmal denke ich, dass ich ihn ganz fürchterlich lieb habe. Wie viele Leute wissen, was für großartige alte Menschen um uns herum leben? Da sitze ich auf seinem ziemlich neuen Friesensofa und sehe die lieben alten Bücher, unter denen schon mein Stubenwagen stand (unter den Penguin Ausgaben, daher liebe ich die englische Literatur so), das Küchenbuffet meiner Oma mütterlicherseits aus Ettenheim, den Kalender mit den Kinderfotos an der Wand, das Foto meiner Mutter, wie sie (ganz Hagazussa) auf irgendeinem Zaun sitzt und staune. Das ist das Jetzt des Jungen, der aus Żytkiejmy fliehen musste, mit einem Rucksack voller Leberwurstbrote und seinem Robinson Crusoe. Es ist nicht immer so sichtbar, aber all das ist ganz wichtig für uns, und unsere gemeinsame Ostpreußenreise ist es auch.

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da sitzt die Familienähnlichkeit