Hamburg.

Morgen fahre ich zum ersten Mal nach Hamburg. Durchgefahren bin ich schon öfters aber in Hamburg war ich noch nie. Ich freue mich. Heute war ein seltsamer Tag. Was war das Schönste? Definitiv dass ich alle meine drei wunderbaren Kinder getroffen habe. Den Mittleren morgens in der Küche beim Kaffee getroffen zu haben und die Weltlage aus ähnlichen Blickwinkeln zu diskutieren. Mit dem Großen abends Dr. House geschaut und mich gefreut zu haben, dass wir an den gleichen Stellen lachen. Die Jüngste in den Arm zu nehmen und mich zu freuen, dass sie viel freier als ich aufwächst. Und mit ALLEN werde ich ins Kino gehen, wenn übernächstes Wochenende das KÄNGURU läuft. (Corona-Kram bitte auf Facebook loswerden oder einfach Luisas Francias kluge Blogeinträge auf Salamandra lesen, ich bin des Treibens überdrüssig.)

 

Montag

An sich mag ich Montage. Eine frische Woche, das gefällt mir. Und ich mag meine Arbeit. Heute war auf dem Hinweg ein unglaublicher Stau, der PC funktionierte nicht, dafür war der Himmel, als ich aus dem Haus ging, traumhaft rot, das Aquajogging mittags super lustig und mich erwartete zuhause ein gutes Essen.

Ich kommentierte bei Facebook einen Beitrag der Zeit (die stellen immer ganz interessante Fragen, wollen damit aber nur Probeabos verbreiten, die man nur mit enormer Mühe los wird), in den es um Schaltjahre ging. Alleine auf den sachlichen Hinweis, dass es mit 13 Mondmonaten sehr lange sehr gut funktioniert hat und das krampfhafte Umändern auf 12 Sonnenmonate eine patriarchale Strategie war, habe ich viele misogyne, dumme und einfach unmögliche Antworten von Männern bekommen. Unter anderem

„du willst aber nicht behaupten das Frauen, wie Claudia Roth, einen Kalender ausrechnen können?“
und
„Und wieso werden dann so viele Frauen ungewollt Schwanger und warum tobt Nachbarskatze wenn ich denen wieder mal den Teppich vor der Tür mit Baldrian getränkt habe“ 
(das war beides der selbe Mann, und alle sind wieder mit Klarnamen unterwegs…)
Ansonsten regnet es stark und ständig, und am Wochenende will ich nach Hamburg, dort würde ich auch gerne was vom Draußen sehen, ohne dass mir die ganze Zeit Wasser in den Kragen läuft…
Da ich letztens wieder einiges von Ritter Rost gehört habe, fällt mir natürlich „7 Wochen Regen“ ein.
Und irgendwie lande ich abends derzeit immer mit Jane auf meinem linken Arm liegend, Dr. House schauend, unter dem regenbeprasselten Dachfenster.
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Kein neues Bild aber ich mag es.

Zyklen

Ich habe selbst gestaunt, als ich vor Jahren herausfand, wie sehr ich das Wattenmeer liebe. Eigentlich ist es nicht zum Staunen, denn Liebe zu den unspektakulären Wundern kenne ich. Trotzdem entzückt mich jedesmal zutiefst, wie Ebbe und Flut, die Muster im Sand, die nassen Wiesen, wie der erste Blick vom Deich mich ergreifen. Ich bin ja so eigentlich eine Frau der Berge, des Hügellandes, der Binnenseen, der Wälder, und doch, auch eine Wasserfrau – und doppeltes Luftzeichen, gut aufgehoben am Wattenmeer. Deshalb fuhr ich heute hin, ging spazieren, zwischen Austernfischern und Gänsen. Ich kam bei Flut und sah zu, wie die Ebbe kam. Schwabbschwabb, das Licht, die Meergewalt, die Küstenlinie. Die nassen Wiesen. Die leeren Campingplätze. Die Muscheln, die unendlich vielen Muschelschalen. Die Wolken.

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No way.

„Papst Franziskus befürwortet einstweilen keine Lockerung der Zölibatspflicht für katholische Priester. Auch Weiheämter für Frauen, etwa als Diakoninnen, lehnt Franziskus vorerst ab.“ (Facebookfund, ich lese normalerweise nicht, was der Papst so sagt.)

Wenn sich die Leute jetzt darüber aufregen, wenn „Maria 2.0“ darum kämpft, dem System, das immer noch auf dem Geld der Inquisition sitzt, noch mehr dienen zu dürfen, wenn sie sich wundern, dass dieser fortschrittliche Papst (wenn ich mit einer Feder schriebe, würde sie jetzt kratzen) sich doch so konservativ zeigt, bedenkt:

Selbst wenn diese Dinge „reformiert“ würden, bliebe es immer noch eine patriarchale, monotheistische Hirtenreligion, die erdacht wurde, um Macht über Menschen, vor allem über Frauen, auszuüben – weg damit. Kirche ist nicht reformierbar. Die einzig ehrliche, längst überfällige, Aktion wäre ein umfassendes Schuldeingeständnis und die Auflösung des ganzen Konstrukts.

Silberreiher

Ruhe vor dem Sturm.

Der Tag begann blau und leuchtend, milde Luft, ich war lange im Garten und habe gestaunt, was alles schon austreibt oder blüht. (Und das Moos bestaunt, das im hinteren Gartenteil so zauberhafte Teppiche bildet.) Dann bezog sich der Himmel, die ganze Atmosphäre lud sich auf, die Katzen schliefen den ganzen Nachmittag und Abend so ruhig, dass sie aussahen wie Wollbommel, die irgendwo abgelegt wurden. Wir haben ums Haus herum alles befestigt oder reingestellt, es fühlt sich seltsam an, an einem windstillen milden Tag sich auf Sturm vorzubereiten. Vielleicht wird es ja auch viel weniger als angekündigt.

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Begegnung.

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Wir begegnen uns in einer Seitenstraße der Stadt. Die Sonne scheint, die roten Klinkerhäuser sehen aus wie frisch gewaschen. Die Katze liegt so entspannt da. Nachdem ich das Foto gemacht habe, schauen wir uns an. Ich blinzle langsam, sie blinzelt zurück. Ich fühle mich geehrt und gehe lächelnd weiter.