Übrigens:

Das Patriarchat hat nicht nur für Ungleichberechtigung gesorgt. Es ist seit dem ersten Gedanken, Land, Tiere und Menschen besitzen, dominieren, sie sich untertan machen zu wollen, in alle Lebensbereiche hineingewachsen und hat neue Bereiche und Lebensweisen nach seinem Bilde geschaffen. Es ist kaum etwas in unserer Lebenswelt geblieben, das noch ist ist wie in der „Zeit vor der Beschneidung“ (Ute Schiran). In den Fällen, in denen die Symptome Theologien und politische Systeme sind, ist relativ leicht erkennbar, wie weit wir dort von der artgerechten Form des menschlichen Lebens entfernt sind. Wo Gewalt herrscht, kann das Patriarchat rasch entlarvt werden. Dass es aber Kunst, Wissenschaft, Philosophie, Sprachen, Musik, Literatur und auch die gegenwärtige Film-, Fernseh- und Spielekultur durchzieht, ist ein Schritt bitterer Erkenntnis, der Entschlossenheit verlangt und Konsequenzen hat, die sich zum Glück (auch wenn es anstrengend ist) ebenfalls auf alle Lebensbereiche erstrecken.

MA
(Kunstwerk von Sieglinde Maul)

aus dem offenen Bücherschrank

Bücher suchen LeserInnen.

Aus dem offenen Bücherschrank kam eine Erinnerung mir in die Hand gesprungen. Ein Taschenbuch, schmal, weiß, allerdings ein anderes Titelbild. Ich habe es mitgenommen und erst einmal eine Woche auf dem Fensterbrett liegen lassen. Dann heute Abend vorsichtig hineingeschaut. Mit den Worten, die ich immer schon ein, zwei Sätze im Voraus erinnere, kommt die Erinnerung an den Füller, den ich damals hatte, als ich in einer der ersten Gymnasiumsklassen etwas über dieses Buch schreiben musste. Stifte und wie sie sich auf dem Papier anfühlen, prägen sich gut bei mir ein.

Ein Schiff, am Horizont erst klein wie eine Muschel, dann wie eine Möwe mit gefalteten Flügeln. Won-a-pa-lei. Die Insel der blauen Delphine. Die erste Lektüre dieses Buches muss fast 40 Jahre her sein, denn dieses Jahr im Mai gibt es ein Treffen zum 30jährigen Abitur. Crikey.


Winter.


Meine kleine alte Hündin stapft in ihrem Wollpullover über die frostige Wiese. Die Luft ist so klar und kalt, und weit übers Feld hämmert ein Specht. Drinnen bullert der Holzofen. Morgen sehr früh gibt es eine Mondfinsternis, auch angekündigt als Blut-, Wolfs-, Supermond. Ich werde hoffnungsvoll den Wecker stellen und selbst sehen, welche Empfindungen und Worte sich bei mir einstellen.

Jahresanfang

Kerzen in den Mutterfarben

Es regnet und windet, während es in anderen Teilen des Landes stark schneit. Ich denke an Gerdas Erzählung davon, wie sie sich einmal wünschte, in Peñalba eingeschneit zu sein und prompt passierte es. Heute ist übrigens die „Nacht der Wunder“, die letzte der Rauhnächte. Ich zähle die ja nicht wirklich, mag aber diese Perchtennacht sehr, sehr gerne und werde mich nachher noch an ein Vision Board setzen.

Rauhnächte im Ahninnenhaus

When the days are the shortest, the nights are the coldest,
The frost is the sharpest, the year is the oldest,
The sun is the weakest, the wind is the hardest,
The snow is the deepest, the skies are the darkest,
Then polish your whiskers and tidy your nest
And dress in your richest and finest and best,
For winter has brought you the worst it can bring,
And now it will give you the promise of SPRING.
(Jill Barklem)

Ich liebe die Brambly Hedge Geschichten und Bilder von Jill Barklem. Dress in your richest and finest and best – das kann ich ja morgen auch mal machen, da ich im familiären Wäschetohuwabohu meine schwarzen Leggins wiedergefunden habe, die ich zum Kleid anziehen könnte.

Die Rauhnächte sind natürlich eine Zeitspanne, die sich entspinnt, nichts, das sich mit linearen Maßeinheiten messen lässt. In Gesprächen merken wir das, bei der einen sprudelt es, die andere geht in die Stille, eine ist voller Musik, bei anderen wird die Trauer noch stärker, … Wichtig ist es, sich gerade in dieser Zeit auch nicht zwingen zu lassen, nicht die Energie abziehen lassen, sich gut nähren. Auch wenn der ganz kalte Wind, der tiefe Schnee und der scharfe Frost hier meist erst im Januar/Februar ankommen, wenn schon wieder mehr Licht ist.