


versetzte Ferienzeiten
Sicherlich gibt es Gründe dafür, nicht das ganze Land zur selben Zeit Sommerferien machen zu lassen (wobei, in Frankreich geht das auch ganz gut), es hat allerdings auch Nachteile. Wir können uns mit FreundInnen aus anderen Bundesländern nicht in den Sommerferien treffen (oder nur ganz kurz) und es ist ein blödes Gefühl, noch wochenlang keine Ferien zu haben, wenn die anderen schon in der Sonne liegen oder schon wieder Alltag zu haben, wenn die anderen erst in die Ferien starten. Früher (das fiel mir gerade ein, als ich die wunderbare Eis-Szene in Rico, Oskar und die Tieferschatten (im Buch ist sie erst im „Herzgebreche“) gesehen habe) waren die Unterschiede in den Ferienzeiten nicht so groß, denn ich konnte als Kind in den Sommerferien nie soviel Erdbeermilch trinken wie ich wollte: Ich verbrachte meine Ferien in Ettenheim (BaWü) und dort gab es im damals einzigen Eiscafé Erdbeermilch nur während der Schulzeit. Dafür hatte der Eiswagen am Baggersee schon Ende der 70er so tolle Sorten wie Orange und Melone. Und unser Golf hatte schwarze Kunstledersitze und man konnte sich nach einem Tag am See (und Auto in der Sonne) nur mit untergelegtem Handtuch setzen.

Ja, Ferien.
Es war herausfordernd, ein Wagnis, schön, duftend, voll Lektüre und Schreibzeug, Insekten, Fledermäuse, Nostalgie und Neuland. Am besten gefallen haben mir die Stunden mit der blühenden Minze, wenn ich die Stille um meine Lektüre ( an jeder Ecke liefen mir unerwartete Bücher zu) mit der großen Hornisse und den vielen Bienen und Ameisen teilte, die Abende, an denen wir den Fledermäusen zusahen, die Zeit in Ettenheim (wir wurden verwöhnt mit guten Gesprächen, Essen und Trinken) und die Mischung aus Nostalgie und Neuland. Der Rückweg war wegen Sturzregen einfach anstrengend, ich fädele mich zuhause erst wieder ein, erzählend, redend, zuhörend und umarmend, dabei halte ich meine bunte Katze im Arm, die ich so vermisst hatte.
Ferien.
Die letzte Zeit war anstrengend und es ist auch noch einiges zu tun, generell bin ich aber dabei, mich in die Ferien zu verabschieden. Die erste Schulferienwoche hier ist bereits vorbei, zwei kleinere Reisen fanden in dieser Zeit bereits parallel statt, mein Praxisurlaub beginnt Montagmittag, der andere Urlaub am Mittwochnachmittag. Also wird es auch Zeit für Blogferien und vielleicht auch für eine Internetpause. (Ok, in die Mails schau ich schon rein.) Ich möchte lieber wieder „believe in as many as six impossible things before breakfast“ als mich vor dem Frühstück über ebensoviele abstruse Blödheiten auf Facebook ärgern. Es gibt Bücher zu lesen, echtes Papier zum Beschreiben (und für Skizzen, ich habe lange nicht mehr gezeichnet), ich habe ein Häkelprojekt in Arbeit, der Hühnerstall muss noch einmal komplett frisch gemacht werden und es ist eine Fahrt zu planen.

Fahrt
Wieder in E. gewesen (Bahnunwägbarkeiten brillierten auf dem Hinweg). Schwarzwälder Kirschtorte gegessen, Füße aufs Kopfsteinpflaster gesetzt. Kaum trat ich ans Grab, setzte ein Schmetterling sich auf die Blumenschale (Foto ist halt Handyzoom). Dann kam der Rückweg mit Auto. Übernachtet habe ich in Schwetzingen, pausiert vor- und nachher bei Baden-Baden, in Bingen (so ein schönes Museum!) und Boppard. Im CD-Player fand ich eine Joan Baez CD. Die habe ich auf dem Weg mindestens sechsmal gehört.
„I’m not fighting
For justice
I am not fighting
For freedom
I am fighting
For my life
And another day
In the world here“
Durchatmen
Leichter Regen auf dem Dach, die Luft ist wunderbar frisch. Ich schnaufe durch nach drei wirklich besonders anstrengenden Arbeitstagen und vor einer erneuten Fahrt 700 km südlich. (Der Wetterbericht titelt „Norden fällt ins Sommerloch“ – bei Vorhersagen zwischen 17 und 28 Grad sehe ich kein sehr großes Loch, freue mich aber doch, noch zwei halbe Tage richtige Sommerhitze tanken zu können. Und so schnell noch einmal durchs Städte laufen und auch über den Friedhof gehen zu können.) Hin fahre ich mit dem Zug, zurück mit dem Auto. Scheint ein Kilometersommer zu werden, immerhin wollen wir später ja noch zu mehreren ins Tessin, hatte ich lang nicht. 
Schönstes Haus.
Auf jeden Fall eines der schönsten Häuser für mich. Heute fiel mir auf, wie schön es ist, hier immer neue Wege, Ecken und Orte zu entdecken und woanders immer wieder Kontakt zu altbekannten Stellen zu haben.
After the funeral.

Jane
Jane geht es jetzt schon eine ganze Weile wieder richtig gut. Nachdem die Tierklinik keinen Rat wusste, habe ich die abendliche Luminalettendosis erhöht und so viele Futtersorten ausprobiert, bis ich Sachen gefunden hatte, die sie mochte. (Es gibt ja ein Zeug auf dem Katzenfuttermarkt, da schämt man sich an der Kasse fast. Fisch in Brühe im Miniaturtütchen z.B. Aber es hat geholfen. Mittlerweile frisst sie brav ein ganz normales Katzenfutter, allerdings besteht sie immer noch darauf, den größten Teil der Zeit im Schlaf- und Arbeitszimmer zu wohnen und auch dort zu essen. Vor ein paar Wochen stand sie auf einmal im Garten, als ich rauskam, das heißt, sie ist über die zwei Meter hohe extra katzensicher gemachte (haha) Terrassenumzäunung geklettert und von den beiden Flachdächern in den Garten gesprungen. Genesung geglückt, denke ich mal. Ein Kilo zugenommen hat sie auch.

Regen.
Regen auf dem Dach und Mittagspause.
Ich sitze, etwas verstrudelt von Resterkältung, Trauerfall, bißchen Eisenmangel, im Bett und höre dem Regen zu, der das Dachfenster betrommelt. Eine Katze und ein Kater zu meinen Füßen. Schaue ein paar Folgen „Lukas Lenz“ und lasse mich mal einfach sein.
