
Blogpause


Gerda hat angerufen. Ich atme wieder. (Was habe ich denn in den letzten 5 Tagen gemacht???) Liebe, liebe Gerda.

Hinter den Augen deiner tiefsten Ängste wohnt das ferne Lächeln.

Morgens im Bett die Katze an mich geschmiegt finden, noch ein Stückchen „Frau Jenny Treibel“ hören (wahrscheinlich kann ich es schon auswendig), Kaffee, Sonne, arbeiten, gutes Gespräch geführt, gegessen, Mail von Gabriele bekommen, im Garten gewühlt (der Anlass war nicht so toll – wegen der Aufstallpflicht mussten wir die Hühnervoliere nach oben abdichten und den mobilen Zaun abbauen, sie müssen erstmal drinbleiben, dabei sind natürlich weder gesunde, artgerecht gehaltene Vögel noch Zugvögel an der Vogelgrippe „Schuld“, sondern die Mast- und Qualbetriebe. Ich habe ein blödes Gefühl, seit es so wichtig ist, dass die Wiesenhofschlachterei wieder irgendwie aufgebaut werden soll. Die richtige Reaktion wäre gewesen, den Brand als Signal zu nehmen, diese Art der „Nahrungsbeschaffung“ zu beenden. Wusstet ihr, dass man 50 Hühnerbeine für den Preis einer Schachtel Zigaretten kaufen kann, wenn sie günstig sind?), aus einem Zimmer meiner Kinder den Seelefanten aus dem Urmel singen hören, aus einem anderen die Trompete und aus dem dritten Klavier, eine tolle Anfrage für einen Workshop bekommen, . Und das alles in schwierigen Zeiten – vielleicht sollte ich schlafen gehen, bevor in einem Fisch mein verschwundenes „Eye of Kanaloa“ auftaucht. (Das ist eine Anspielung auf eine Ballade 😉 )

Das sind solche Nostalgiegedanken. Wenn hier der Luthergeburtstag singend von kleinen Kindern gefeiert wird, denke ich an St. Martin auf seinem Schimmel und die Erzieherinnen, von denen immer eine den Bettler spielte. Was das nett! Naja – Ich war zwischen all den Familien, die ein Kind begleiteten, 2 Eltern und 4 Großeltern, bei Patchwork gerne mehr, fast die einzige, die alleine mit 3 Kindern unterwegs war. Eines an der Hand, eines im Wagen, eines im Tragetuch, dann eines im Wagen, eins an der Hand, eins hält sich mit am Wagen fest usw, 6 oder 7 Jahre hintereinander… Manchmal war es auch saukalt und nass und der Kinderpunsch schmeckte nach Süßstoff. So in der Erinnerung ist es wie ein Albumbild. Alle drei Kinder glücklich mit ihren Laternen, alle bei mir und ich kann machen, dass sie sich freuen.

Die Weite am Polder tut mir gut
das stille Wasser, auf dem mein Auge ruht,
die Krähenrufe und der Möwenflügelschlag,
hier fängt sich alles Licht an einem trüben Tag.
Die Kormorane breiten ihre Schwingen
als meditierten sie nach Süden hin
und endlich fängt es wieder an zu singen,
ganz absichtslos, tief in mir drin.

Nun war ich ganz unvorhergesehen zum vierten Mal innerhalb von 12 Monaten in Rottenburg am Neckar. Auch wenn 2 Bahn- und ein Termin- und Wandertag anstrengend sind, habe ich mich gefreut, dort zu sein, an der Fahrt rheinauf- und abwärts ebenso und an dem Gefühl der Entspannung, das seit gestern Abend da ist.
„Ja es ist schön, herumzusitzen in dieser Stadt bei ihrem Wein,
warten, bis letzte Häuserschatten holen die letzten Tauben ein,
ja und es läuten Abendglocken, Gassen, Brunnen und Marktplatz leer…“
(F.-J. Degenhardt)
Und wir sind (diesmal Muttersohnwanderung) endlich mal zur Wurmlinger Kapelle gelaufen, es wurde unterwegs nach Morgennebel auf einmal ganz sonnig und warm, ich trug am Ende mehr Kleider über der Schulter als ich anhatte…
Jetzt bin ich, ein bißchen verstrudelt noch (aber angenehm) wieder zuhause, und in meinem Arm liegt Jane.

Eigentlich wollte ich mir neue Winterschuhe kaufen. Nachdem ich durch einige Läden gezogen bin und etliche Schuhe anprobiert habe, habe ich festgestellt, dass die, die ich haben will, eigentlich die sind, die ich schon habe. Meine bequemen, warmen Palladium Boots, die ich, weil sie eine kleine schadhafte Stelle hatten, in St. Just am Busbahnhof mit einem Pflaster geflickt habe. Dieses englische Pflaster hält nun seit 2 Jahren und ergänzt irgendwie Bequemlichkeit und Wärme noch um eine schöne Erinnerung.

Also laufe ich mit ihnen zum See und ruhe Auge und Seele bei den Bäumen, Schwänen und Durchblicken aus. Das brauche ich.
Diese Weite, der Himmel und die Wiesen mit den Gänsen, die Kormorane, die weiter hinten genüßlich in der Sonne die Flügel ausbreiten, ein Wiesel, das über den Weg huscht, ein Reiher der so perfekt landet, wie Reiher eben landen, noch mehr Gänse, noch mehr Himmel. Ich atme. Ich dehne mich aus in dieser Weite. Ich schaue. Ich höre. Es ist warm in der Sonne, ich bin da. 
Meine Güte, hat diese Frau kluge Sachen gesagt. Und kluge Rezepte erdacht. Ihre Musik würde ich gerne einmal im Original hören. Sie hat von weisen Waldfrauen gelernt. Und weitergedacht. Und die göttliche Liebe als Mutterliebe empfunden.
