Herbstanfang, Gedichtezeit

Wilhelm Busch, Herbst

Der schöne Sommer ging von hinnen,
Der Herbst, der reiche, zog ins Land.
Nun weben all die guten Spinnen
So manches feine Festgewand.

Sie weben zu des Tages Feier
Mit kunstgeübtem Hinterbein
Ganz allerliebste Elfenschleier
Als Schmuck für Wiese, Flur und Hain.

Ja, tausend Silberfäden geben
Dem Winde sie zum leichten Spiel,
Die ziehen sanft dahin und schweben
Ans unbewusst bestimmte Ziel.

Sie ziehen in das Wunderländchen,
Wo Liebe scheu im Anbeginn,
Und leis‘ verknüpft ein zartes Bändchen
Den Schäfer mit der Schäferin.

IMG_0141

Moments.

„Everyone has moments.“ sagt Agatha Christie sehr richtig am Anfang von „By the pricking of my thumbs“. Fiel mir heute im organisatorischen Honorarjobchaos ein (der hat wirklich manchmal Comedyqualität), außerdem genieße ich gerade im Auto das Hörbuch. CD 3 fehlt, so dass mir der komplette Redefluss von Mrs. Copleigh entgeht, aber ich bin sicher, sie wird wieder auftauchen, genauso wie heute meine Weihnachtsgabe des Donaldisten (ich bin doch im Verein des gemeinnützigen, nicht kommerziellen Donaldismus) wieder aufgetaucht ist, die ich vor Weihnachten nicht auspacken wollte, und die dann seit dem Umzug verschwunden war. Bei einer dringenden Aufräumaktion eines pubertären Zimmers tauchte ein ganzer Stapel Unterlagen von mir auf, die unten in einem noch nicht ausgepackten Karton ruhten. Ist ja auch erst 9 Monate und 4 Tage her der Umzug. „Of course there were moments. Everyone has moments.“

P1050471

Besuch bei den Birken

Ich sitze unter den Birken am See, und um mich her fallen leise Blätter. Den Bäumen selber siehst du es nicht an, die sind noch hochsommertiefdunkelgrün, und doch zupft Herbst mit spielerischer Hand schon am Land. Und das ist ja auch gut so. Ich überlege, wie die Zeiten eines Lebens mit dem Jahreskreis vergleichbar wären und frage mich, was für ein Tierbote der Kormoran ist, dem ich gerade so oft begegne. Verbindung der Elemente ist sicher eines der Themen.

P1060391

Traum

Ein schwebender Erkältungskopf mit leichter Temperatur macht manchmal interessante Träume. Ich träumte von einem Menschen, mit dem ich über ein Jahr keinen Kontakt mehr habe, den ich als sehr negativ, rastlos und unbewusst erlebt habe. Ich träumte, ich begegne ihm und er ist offen, seine Gesichtszüge sind anders, haben ihre natürliche, ihre entspannte, angstfreie Ausprägung, er hat ruhige Augen und weicht dem Blickkontakt nicht aus. Wir reden und lachen, es gibt keinerlei Strategie oder Taktik, keine Machtspiele, kein auf der Hut sein. Auf einmal wird mir kristallklar, dass ich ihn so sehe, wie er sein kann, wie jede(r) sein kann, wenn der eigene Weg konsequent bis in die kleinsten Entscheidungen gegangen wird. In „Das schamanische Buch der Seele“ beschreibt Jakob Oertli es wirklich gut, das Treffen von Entscheidungen mit dem Herzen (das ist gar nichts kitschiges, sondern etwas sehr Kluges und natürlich keine Erfindung von J. O., das behauptet er auch nie). Diese Erkenntnis hatte enorme „Wumms“-Qualität und hat mir sehr, sehr deutlich gemacht, was ich für mich will.

P1060324

Der erste kalte Tag.

Und ich friere erbärmlich. Jetzt habe ich mir einen Sanddorngrog gemacht, da ist immerhin auch Vitamin C drin, singe dazu unpassenderweise https://www.youtube.com/watch?v=nzcv5TJkJBA (eigentlich höre ich diese tolle Version gerade zum ersten Mal). Irgendwie war ein kalter, grauer Tag heute, an dem die unermüdlich fallenden reifen Mirabellen deplaziert wirkten und ich sorglich die Gewächshaustür schloß, damit die Tomaten nicht erfrieren. Ein Paket kam mit einem Pullover für den Winter, den ich am liebsten anbehalten hätte, einem T-Shirt, bei dem ich auf warme Herbsttage hoffe, und einem Kleid (ein schwarzes mit einem bunten Obstprint, das die Taille wirklich in der Taille sitzen hat, nicht auf der Hüfte und nicht direkt unter der Brust), bei dem ich wehmütig dachte, dass ich es wahrscheinlich zum ersten Mal in Portugal tragen werde, in 7 Monaten…

Bahnfahrt

Auch im Münsterland ist es schön. Und überall gibt es interessante Themen und Begegnungen. Es ging um Schutz und Durchlässigkeit (für mich wurde klar, dass ich wirklich kein ausgeklügeltes System aus Abweisern, Entstörern, Strahlenblockierern mit Reiseset und Umhängeamulett haben will), um schamanische Heilung (Gabriele brachte das Buch von Jakob Oertli mit, in dem es um Seelenstränge geht) und um Zeit und Symbolik (vor allem für mich, ich hatte direkt am Bahnhöfchen, das unmittelbar am Hotel liegt, Gelegenheit, das erste Drittel im Oertli zu lesen, da ein Zug kommentarlos ausfiel, und in Münster dann der zweite, da war viel zu interpretieren und zu üben).

P1060375

P1060416
Endlich kam ein Zug.
P1060373
Ein Wasserschloss.

Reisen und Pläne

Dieses Wochenende gibt es eine winzigkleine Reise mit einem Treffen, auf das ich mich sehr freue, nämlich mit Gabriele. Für die Zugfahrt habe ich mir dieses Buch eingepackt:

P1050656Und mit Anna plane ich die Portugalreise im nächsten Frühling – zu besonderen Orten, Steinkreisen, an den Atlantik und zu Luisa ins Alentejo.

Traum

Ich habe von einer großen Ringelnatter geträumt, die sich im Wasser häutet. Am Ufer stand ein Sprung Rehe und eine Schar brauner Ziegen zwischen Wasser und Wald. Es war ein sehr friedliches Bild (und ich hätte gerne weitergeträumt, aber da fiepste der Hund mich wach, weil er wieder Mirabellen gefressen hatte…).

Die zu enge Haut ablegen und hinter sich lassen, ins Fließen kommen, in Fluß bleiben. Wasser und Erde. Achtsamkeit und Keckheit.

September

P1060295Ich liebe diese Septemberluft am Morgen, die Spinnweben überall, die sattspätsommerlich grünen Blätter und das Reifen. Beeren, Früchte, Gurken (Gurken! Es müsste eigentlich nochmal ganz heiß werden, dann könnten wir statt Gurkensalat und Schmorgurke mal Gazpacho essen.)… Ein bißchen wehmütig machen mich die vielen Brombeeren auf unserem lustigen Gartenhügel, die es bis auf einzelne erst zu einem Rot gebracht haben. Wie mühelos reifen sie in der Rheinebene zwischen Schwarzwald und Vogesen. Noch ein paar sonnig warme Tage, dann schaffen sie es vielleicht noch. Am Grünkohl weiden die Raupen mit genausoviel Appetit wie im Frühling am Wirsing, wir können jeden Tag etliche absammeln. Und unser Mirabellenbaum trägt so unglaublich viele Früchte. Ich stelle fest, dass ich am liebsten die nehme, die gerade von alleine, weil perfekt gereift, abgefallen sind. So hocke ich unter dem Baum im feuchten Gras und sammle. September.