September

P1060295Ich liebe diese Septemberluft am Morgen, die Spinnweben überall, die sattspätsommerlich grünen Blätter und das Reifen. Beeren, Früchte, Gurken (Gurken! Es müsste eigentlich nochmal ganz heiß werden, dann könnten wir statt Gurkensalat und Schmorgurke mal Gazpacho essen.)… Ein bißchen wehmütig machen mich die vielen Brombeeren auf unserem lustigen Gartenhügel, die es bis auf einzelne erst zu einem Rot gebracht haben. Wie mühelos reifen sie in der Rheinebene zwischen Schwarzwald und Vogesen. Noch ein paar sonnig warme Tage, dann schaffen sie es vielleicht noch. Am Grünkohl weiden die Raupen mit genausoviel Appetit wie im Frühling am Wirsing, wir können jeden Tag etliche absammeln. Und unser Mirabellenbaum trägt so unglaublich viele Früchte. Ich stelle fest, dass ich am liebsten die nehme, die gerade von alleine, weil perfekt gereift, abgefallen sind. So hocke ich unter dem Baum im feuchten Gras und sammle. September.

Ich war im Wendland.

Da war ich vorher noch nie. So konnte ich eine lange Fahrt quer durch Niedersachsen mit einer Lesung und einem Workshop mit Luisa Francia verbinden. Sonne, Rituale auf der Wiese, das wunderschöne Atelierhaus von Margarete Petersen, köstliches Essen, viele, viele Frauen, die sich trafen, um das Feld der weiblichen, wilden Kraft zu verstärken, einsame Spaziergänge barfuß durch sandige Heide, ich habe Freude, Eindrücke, Entspannung und Begegnungen aus den 3 Tagen herausgesogen wie eine Biene Honig aus einer besonders üppigen Blüte. Schön war’s. Und dass ich Anna und Luisa getroffen habe, war besonders schön.

Findlingspark auf dem HinwegNemitzer Heide am frühen Morgen

Rituale auf der Wiese, wunderbar.
Rituale auf der Wiese, wunderbar.

Regen.

Nachts hat der Regen mich geweckt, der aufs Dachfenster klopfte. Gestern Abend sind wir noch im See geschwommen, in unserem kleinen, ruhigen Lieblingssee, unter prächtigen, sich türmenden Wolken. Haben im Sand gesessen und ich habe auf der Wiese die Fünf Tibeter gemacht, wie die ganze Woche hindurch. Diesmal will ich endlich so diszipliniert sein und es bis zu den 21 Wiederholungen bringen.

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Mehretagiges Lesen mit Konsequenzen.

Ich lese ja nicht nur in den „Windspiele“n von Ute Schiran, ein Stockwerk höher habe ich „Am Küstensaum der Zeit“ von ihr liegen. (Draußen lese ich „Schatten über dem Mond“ von M.M. Kaye, eine der Autorinnen, mit deren Büchern, die ich vor langer Zeit schon mal gelesen habe, der öffentliche Bücherschrank mich gerne versorgt, im Bett Sherlock Holmes und zum See nehme ich heute was von A.M. Homes mit.) Aber zum Küstensaum. Nachdem ich mich ja wirklich wieder mit Herz und Hirn in die „Diskussionen“ mit den Phrasendreschern hineingestresst hatte, und in mir schon als Ohrwurm klingelte „Kann man wütend sein und weise, laut sein und im Lauten leise“ (eine Zeile von Konstantin, bei der ich eigentlich immer wünsche, eine KÖNNTE), schlug ich eine Stelle auf, die ich schon oft gesehen haben muss aber nie so wahrgenommen hatte. Da geht es darum, dass die Haltung, gegen etwas zu sein, anti irgendwas, immer bedeutet, dass eine dieses Irgendwas festhält und braucht, braucht „Wie der Narr den Hof“, gegen den er spottet. Das ist so unbestreitbar aus mehreren Blickwinkeln wahr. (Natürlich, Fokus richten, was du wegschiebst, schiebt zurück, … alles schon gehört und für richtig befunden. Und doch zetert etwas in mir, es könne doch nicht so sein, diese ganze wundervolle Energie so vieler guter, kluger Menschen, sämtliche Bewegungen gegen das „Böse“ sollen in Wirklichkeit nutzlose Abhängigkeit voneinander, vielleicht sogar Verstärkung sein?) Die alte Erinnerung in mir weiß, dass es wahr ist. Drauf achten. Auf mich achten. Auf die Erde achten.

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Mehl und Mähen

Als es wieder trocken war und warm, nach den regnerischen Tagen, habe ich, um aus den dummbösen Schwingungen der Gutmenschenschelter herauszukommen und nicht mehr an ihre Phrasen zu denken, einen Mehlkreis gestreut, mit Wachholder und einem abgebrochenen kleinen Holunderast geräuchert und Steine in den Kreis gelegt, für alle Gutmenschen, die mir so eingefallen sind, habe die Heiterkeit gerufen und die KOREspondenz. Ich will annehmen, dass irgendwie irgendwas doch noch gut werden kann. Am anderen Tag war ich früh schwimmen, in einem kleinen, abgelegenen See ohne Campingplatz und Imbiss, danach habe ich den Rasen gemäht.

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Bewegungen.

Irgendwie bewegt sich was. Ich lese in Ute Schirans „Windspielen“. Da ist etwas in uns, das sich bewegt, das erinnert werden will, werden kann. Etwas, das sich wieder zurückzieht, wenn wir dem hohlen Mediengeplapper, den kollektiven Meinungen, den angeblichen Wichtigkeiten zu viel Gehör schenken. Etwas, das sehr wohl beachtet werden und wirken kann, wenn wir einfach tun, was wir tun.  Sind wir so gehirngewaschen, dass wir so oft davon weg und hin zum Berieseln lassen zucken? Dass wir glauben, Zeit für eine selbst wäre im Internet verbrachte Zeit? Das hat etwas von den Zigarren der grauen Herren bei Momo, es ist Un-echt-zeit. Es ist so einfach, immer der nächste Schritt, immer das, was jetzt dran ist, nach Wissen, Willen und Wohlgefühl.

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Hund können das von Natur aus. (Oder sie haben es einfach nicht vergessen.)

Wetter.

Langsam zieht ein Wetter heran. Ich weiß noch nicht, wie schnell es kommt. Taste mich heran an die Grenze zwischen Hitze vor und Hitze GANZ KURZ vor einem Gewitter. Während ich mit Hund zwischen einer Eiche und einer Birke am Wiesensaum sitze, halte ich den Himmel im Auge. Ich glaube, es dauert noch. (Bin aber durchaus bereit zu rennen, wenn das nicht stimmt.) Letzte Himbeeren probiere ich in der Zeit, geflügelte Ameisen ersteigen meine Beine, und überall liegen Krähen- und Elsternfedern.

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Tag und Nacht

Kürbisblüten am Tag und Sternschnuppen in der Nacht. Ich genieße die Stille, in der ich barfuß durch den Garten gehe und in der ich in den Himmel schaue. Wie wunderbar, dass hier so viele Sterne zu sehen sind, ich liege mitten in der Milchstraße und schaue zu, wie die Schnuppen ihre Bögen ziehn.

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